Magier mit Köpfchen

und schnellen Fingern

Zauberzirkel in der Kemna besteht 30 Jahre

 

Von unserem Redaktionsmitglied Cornelia Breuer

 

Riogo Udo ErnestSie greifen in die Luft, schon beginnt die Zauberei. Vor den Augen kritischer Zuschauer verfärben sich Tücher, verschwinden Karten, verknoten sich Seile, tun sich in, der Tischplatte unsichtbare Löcher auf. Das Geheimnis der Mikrozauberei, von Mitgliedern des Magischen Zirkels Wuppertal vorgeführt, lüftet sich für Besucher nicht. Einmal im Monat ist der hintere Raum im Haus Kemna an der Beyenburger Straße Treffpunkt für 15 zauberbegeisterte Amateure und Profis der Täuschungskunst. "Zaubern kann niemand. Wir arbeiten mit allem, was erlaubt ist. Dazu gehören Psychologie, Fingerfertigkeit und die eigene Persönlichkeit. Mit übersinnlichen Kräften haben unsere Künste jedoch nichts zu tun", erklärt Lucky Lutz, ein Meister der Zauberkunst.

 

In meiner geschlossenen Faust verdoppelt sich ein Schaumstoffball, Kartentricks werden so gekonnt und mit geradezu akrobatischer Bewegung der Finger vorgeführt, dass ich mit dem bloßen Auge auch aus unmittelbarer Entfernung nicht folgen kann.

 

Jahrelange Übung Ein Stück Silberpapier, dass Bob Driebeeksich ohne Hilfe von Feuerzeug oder ähnlichem in der Hand unerträglich erhitzt, lässt fast Hypnose vermuten. Alles geschieht vor den lachenden Mienen der Zirkelmitglieder, die zwar noch lange nicht alle Tricks ihrer Kollegen nachahmen können - dazu gehört oft jahrelange Übung eines Handgriffs - aber die wissen, dass wieder einmal ein Unbedarfter ihrer Täuschungskunst erlegen ist.

 

180 Bände Zauberliteratur, Teilweises bereits mehrere Generationen alt, und zahlreiche Videos sind beim Erlernen der Tricks behilflich. Seele des Magischen Zirkels in Wuppertal ist außerdem der Wahl Wuppertaler und gebürtige Ungar "Astor". Von Langerfeld aus, versorgt er mit seinem Fachversand für Zauberzubehör nicht nur Amateure und Profis aus dem Tal. Neben importierten Kunststücken kennt seine Phantasie keine Grenzen: Er erfindet immer wieder neue Tricks. Der Berufszauberkünstler, dessen schauspielerische und artistische Leistung bekannt ist, hat weltweite Kundschaft. Die Begeisterung für die Zauberei geht durch alle Berufsstände: Ein Postbeamter, ein Kriminalbeamter, Kaufleute, ein Mitglied des Bodenpersonals einer Fluggesellschaft, ein Verwaltungsangestellter, ein Lehrer und ein Busfahrer, zwei Schüler und ein Rentner gehören neben den Profis zum Verein. Wie sie zur leidenschaftlichen Zauberei gekommen sind? "Ich habe im Schaufenster einer Buchhandlung ein Zauberbuch gesehen und ohne Hilfe zuhause geprobt", erzählt ein Hobbykünstler. Bei einem anderen hat es mit der Silberhochzeit der Eltern begonnen. Bis zur Berufszauberei ist es ein weiter Weg, der Geduld, Zähigkeit und Ausdauer erfordert. Neben unermüdlichem Fleiß gehört auch Talent dazu, um die Bühne für sich zu beherrschen und beim Publikum anzukommen, bestätigt einer der Profis. Ganz wichtig auch die Liebe zur Sache, "sonst könnte man als Erwachsener nicht solchen Blödsinn machen".

 

Geheimnisse bewahrt Neben der Zirkel KemnaMicro Zauberei oder auch Zauberei im kleinen Kreis genannt - werden im Zirkel auch Partiezauberei, Großtäuschung mit Menschen und Tieren und Geistestäuschung. gepflegt. Die Tricks sind Geheimnisse, die Außenstehenden natürlich nicht verraten werden, betont Hans Hermann Wahl, 1. Vorsitzender des Wuppertaler Vereins. Wer hätte gedacht, dass dieser Verein im Tal im nächsten Jahr bereits 30 Jahre alt wird?