Zauberhaft: Die magische Rasselbande

21 Männer aus Wuppertal und Umgebung sind im regionalen Zauberzirkel Mitglied.
Der jüngste Zauberer ist 19, der älteste stolze 81 Jahre alt.

Von Annette Lübbers

 

Die hohe Kunst der Zauberer ist reinWZ zu Besuche Therapie", behauptet Hans-Hermann Wahl aus Wuppertal. , Zaubern hilft gegen fast alles. gegen Unterdrückung und gegen Minderwertigkeitskomplexe". Hans-Hermann Wahl ist Mitglied im regionalen Zauberzirkel zu dem 21 Männer aus der Wuppertaler Umgebung gehören. Insgesamt gibt es 80 Ortszirkel in Deutschland. Der jüngste der Truppe ist gerade einmal 19 Jahre jung. Felix Breuer zaubert mit Spielkarten, die er selten aus der Hand legt. zehn Minuten täglich übt er mindestens. In den Ferien sind es auch schon einmal zehn Stunden. Auf Anhieb zaubert der Abiturient aus einem gemischten Kartenspiel die fünf Karten des .Royal Flash" hervor. Sein ältester Kollege ist der 8I-jährige .Astor" natürlich ein Künstlername. Der gebürtige Ungar hat als Zauberer Profi die halbe Welt bereist. Mit acht Jahren begann seine Karriere. Mit 19 legte er die Prüfung zum Zauberer ab und durfte von da an Geld verdienen mit seinen Kunststücken. Zeitweise hatte er sogar ein eigenes Varieté-Ensemble in Ungarn. bevor er 1947 von den Kommunisten enteignet wurde. 1965 kam er nach Deutschland. ,.Astor-- ist der Maestro der Gruppe und anerkanntes Vorbild. .Ich habe hier eine wunderbare Rasselbande erklärt er überzeugt. Der charmante ältere Herr und studierte Psychologe verblüfft sein Publikum mit einer verblüffenden Aussage: Alle Frauen können zaubern·, sagt er lächelnd und lässt eine Nichtzauberin die Karten legen. Welchen Buben wünschen Sie sich?" sagt er nach mehreren Mischvorgängen, Abhebe-Manövern und Karten-Verschiebungen. Egal, ich schenke Ihnen alle Buben. Auf den vier verdeckten Kartenstapeln liegen völlig überraschend alle vier Jungs - auf jedem Stapel einer. Zur zaubernden -Rasselbande- gehört auch Polizist Bernd Grams. Er hält einen geborgten 20-Eure-Schein in der Hand. ..Als guter Polizist muss ich erst einmal prüfen. ob der auch echt ist. Dafür brauche ich einen Vertikalabweichungsmessstreifen. Er faltet den Geldschein in einen bedruckten Papierzettel. Mit einem Teppichmesser schneidet er den bedruckten Papierstreifen in zwei Teile. Dann holt er den Geldschein wieder hervor - trotz der Attacke mit dem Teppichmesser ist das gute Stück unversehrt. Sein Nachbar Jürgen Fricker braucht zum Zaubern nur ein Streichholz. Fulmen sagt er. Ein Wort ohne Sinn und Verstand? Aus dem Streichholz steigt eine Stichflamme empor. Ein anderer Kollege zaubert mit der Kette eines Klokastens. In zwei Schlaufen legt er die Kelte auf den Tisch. Der Daumen senkt sich abwechselnd in die eine oder andere Schlinge - mal gleitet die Kette an dem Finger vorbei und mal umschließt sie den Finger. Reiner Walter aus Wuppertal zeigt einen Kartentrick, in dem Karten wie von Geisterhand aus einem kleinen Stapel verschwinden und in einem größeren wieder auftauchen - ohne dass er den anderen Stapel berührt hätte. Walter kam mit 14 Jahren zum Zaubern. Lange hat er geübt. bevor er die Aufnahmeprüfung in den Zirkel machen durfte. Zur Prüfung gehört auch die Geschichte der Zauberei. So weiß er von einer großen Illusion zu berichten, die sich 2400 vor Christus im alten Ägypten abgespielt haben soll. Der Zauberer am Hof habe einer Gans den Kopf abgeschlagen, den Rumpf in die eine Ecke des Raumes gebracht und den Kopf in die entgegen gesetzte Ecke. Angeblich ist der Rumpf auf den Kopf zu gerannt und beide haben sich wieder vereint. Ob die Geschichte wahr ist? Eher nicht Zwar stammt die älteste schriftliche Erwähnung eines Kunststücks - inklusive Anleitung - nicht aus dem antiken Ägypten, aber immerhin aus dem Jahr 1583. Mit Karten arbeitet auch Hans-Hermann Wahl. Eine Zuschauerin lässt er eine Karte ziehen. Die Pik-Zehn. Danach muss die Dame einen Luftballon aufblasen. Die Karte schiebt er ohne einen Blick darauf zu werfen zurück in den Stapel. packt sie wieder in den Karton und bindet ihn zusätzlich mit einem Bindfaden zusammen. Dann hält er das Kartenpäckchen unter den Ballon und bringt den Ballon mit einem Dart-Pfeil zum Platzen. Heraus fällt die Pik-zehn. , Zaubern, sagt er, ist zu einem guten Stück die Kunst des Verkaufens. Wenn man es gut macht. dann glaubt der Zuschauer an ein kleines Wunder: Im Wuppertaler Ortszirkel zaubert keine einzige Frau. Dafür hat Hans-Hermann Wahl aber eine gute Erklärung: .Frauen haben es nicht nötig, sich zu produzieren, erklärt mit einem charmanten Lächeln.