Illusionen zwischen den Mahlzeiten

Mitglieder des Magischen Zirkels
verkürzten den Gästen im Restaurant Ralf
Müller die Zeit zwischen den Gängen.
Von Boris Glatthaar

Mueller Close UpWuppertal. Zufrieden lächeln zwei Engel in einem barocken Bilderrahmen, überall glitzern goldene Tücher im Licht der Kristallleuchter. Der dritte Gang frittierte Olivenkugeln im Räucherlachsgitter - ist soeben beendet, da tritt ein Mann in feinem Schwarz an den Tisch. Mysteriös wirkt er, die Miene verrät nichts über sein Vorhaben. Er ist still, redet auch nicht, als er mit einer schnellen Handbewegung einen Satz Spielkarten über die Tischplatte wischt Dann, nachdem sein Blick einen Zuschauer ausgewählt hat, spricht der Unbekannte: "Schauen Sie sich eine Karte an und legen Sie sie verdeckt auf den Tisch." Der Zuschauer folgt der Anweisung. Dann sagt er: "Es ist das Pik Ass." Er ist sich sicher, vielleich ein bisschen zu sehr. Denn der galante Herr am Tisch ist kein Hobby-Trickser mit zauberkasten. Vielmehr ist er Meister seiner Kunst, einer von 22 zauberern des Magischen Zirkels in Wuppertal. Ralf Müller, Besitzer des gleichnamigen Restaurants an der Katernberger Straße, hat für diesen Abend sieben der Magier engagiert Mit lllusionen sollen sie die Pausen während des Sechs-Gänge-Menüs überbriicken. Der Gast zweifelt nicht an seinen Sinnen - für ihn steht fest: ..Es muss das Pik Ass sein: Der Magier - ein Gentleman - lässt ihm seine Gewissheit, zeigt zuerst allen anderen am Tisch, dass er selbst diese Karte in der Hand hält. "Es tut mir leid", sagt der Herr in Schwarz nüchtern. "Sie müssen wohl eine andere Karte gemeint haben." Tatsächlich: Die Spielkarte unter der Hand des Gastes ist rot - Herz Ass. Die illusion ist perfekt. Als das Safransorbet serviert wird, grübeln viele Gäste noch immer über den Trick nach oder lassen die zauberei einfach auf sich wirken. "Es ist eine Mischung aus Fingerfertigkeit und Psychologie", fasst Hans-Hermann Wahl, der Gentleman, die Kunst zusammen. "Wenn man denkt, der zauberer macht jetzt was, tut er nichts. Aber wenn man denkt, er macht jetzt nichts, hat er es schon getan: Eine alte Magierweißheit Die Tricks selbst seien eigentlich simpel. meint Reiner Walter, der Vorsitzende des Zirkels. Aber: Ohne Übung gehe nichts. "Was wir machen, könnte auch ein sechsjähriges Kind - wenn es 20 Jahre Erfahrung hätte", so Walter. Nur wer sich intensiv mit den Täuschungen beschäftigt, hat überhaupt eine Chance, Mitglied im Magischen Zirkel zu werden. Ganz genau achten die etwa 70 Ortsklubs des deutschen Zentralverbands darauf, dass nur wirklich interessierte Neulinge aufgenommen werden. Nicht zuletzt, um die geheimen Tricks vor einer breiten Öffentlichkeit zu schützen.