Astor - ein vorbildlicher

Zauberkünstler

Eine Würdigung zum 85. Geburtstag

Reiner Walter

Sich selbst als einen "vorbildlichen Zauberkünstler" zu bezeichnen, würde unser Ehrenmitglied Victor Jamnitzy – Astor vermutlich in aller Bescheidenheit von sich weisen. Trotzdem ist das, was Astor 85 Jahre 1er in den vergangenen 85 Jahren erreicht hat, von großer Vorbildfunktion. Zunächst ist da die große Liebe zur Zauberkunst. Nur was man wirklich liebt, kann man gut machen. Und dies auch gegen alle Widerstände, wie beispielsweise einen verständnislosen Vater, der meinte, sein Sohn solle seine Zeit nicht an die Zauberei verschwenden, oder sozialistische Funktionäre im Heimatland Ungarn, die die mühsam erarbeitete Zaubershow mehrmals enteigneten. Die Liebe zur Zauberkunst war es, die Astor bewog, das begonnene Medizinstudium gegen den Willen seines Vaters abzubrechen und es gegen eine Karriere auf der Theater und Varieté Bühne einzutauschen. Seinen Weg auf die Bretter, die für ihn die Welt bedeuten, ging Astor sehr konsequent. Er nahm Schauspielunterricht und studierte sechs Jahre Psychologie an der Universität von Debrecen. So gewann er wichtige Einsichten, die er in der Zauberkunst sehr praxisnah anwenden konnte. Astor standen in seiner Kindheit nur sehr wenige Zauberbücher und Requisiten zur Verfügung. Es hieß also, aus der Not eine Tugend zu machen und den eigenen Verstand für die Schaffung neuer Kunststücke einzusetzen. Eine Fähigkeit, die mehr und mehr Zauberkünstlern abhanden kommt. Welch' große Wirkung oft in einfachen Requisiten und klaren Kunststücken steckt, hat Astor sowohl auf zahlreichen Bühnen als auch in Seminaren immer wieder bewiesen. Eine weitere Grundlage für den Erfolg als Zauberkünstler ist ein breites, ja fast enzyklopädisches Wissen über die Zauberkunst. War es für den jungen Victor noch schwierig Zauberbücher zu finden, so nennt Astor heute eine umfassende Bibliothek sein Eigen. Ich weiß nicht, welchem Umstand wir es zu verdanken haben, dass Astor schließlich selber zu Stift und Papier beziehungsweise später zu Computer und Textverarbeitungsprogrammgriff, um seine Erfahrungen zu Papier zu bringen. Seine Bücher (Die magische Präsentation, Das Superhirn, Das Buch mit Sieben Siegeln), sein inzwischen als E-Book auf CD erschienener Astor-Lehrgang der Magie, seine unzähligen Artikel, Trickbeschreibungen und Tutorien zeugen nicht nur von einem hohen schriftstellerischen, sondern auch von einem großen pädagogischen Talent. Mit seinen klaren, verständlichen und Astor 85 Jahre 2in allen Schritten nachvollziehbaren Beschreibungen setzte Astor neue Maßstäbe in der Zauberliteratur. Sein pädagogisches Geschick ist aber nicht nur in seinen Kunststückbeschreibungen spürbar. Wer Seminare von Astor besucht hat oder ihn während eines unserer Zirkelabende erlebt, der weiß, dass er immer noch einen Tipp und eine Feinheit parat hat, die er gerne an den magischen Nachwuchs weitergibt. Kritik an Vorführungen gibt es stets in Form von Verbesserungsvorschlägen. Seine Anmerkungen sind nie verletzend, aber immer lehrreich. Wer daraus jetzt den Schluss zieht, dass Astor mit offenen Worten spart, der irrt sich. Astor spricht offen aus, was er meint, und vertritt seinen Standpunkt sehr eloquent. Dabei hat er nicht nur schlüssige Argumente und griffige Beispiele parat, sondern würzt seine Anmerkungen sehr oft mit Humor und Anekdoten aus seiner langjährigen Berufslaufbahn. Wer nicht weiß, was ich meine, dem empfehle ich die Lektüre der Artikelserie "Wie werde ich ein verdammt guter Zauberkünstler?". Wenn die hier genannten Gründe nicht ausreichen, Astor als ein Vorbild unserer Kunst auszuweisen, dann weiß ich nicht, wer besser geeignet sein könnte. Es ist kein Verdienst, älter zu werden - auch wenn es das 85. Lebensjahr ist, das Astor nun vollendet. Das, was Astor in dieser Zeit geleistet und geschaffen hat, ist jedoch aller Ehren wert. Dafür gebühren ihm unser Dank und unsere Anerkennung. Zum 85. Geburtstag wünschen wir Astor alles Gute und dass er uns noch lange als Vorbild dienen kann.